Donnerstag, 25. Mai 2017

Bei den Bakhtiari Nomaden

Das dunstgefilterte Licht der Morgensonne will der Landschaft keine Konturen geben. Bis zum späten Nachmittag bleibt ein Gleißen im Brodem. Immer weht ein böiger Wind und treibt Sandkörnchen vor sich her. Die Einheimischen stört das nicht, sie rasen im kurzärmligen Hemd auf ihren 200 ccm Maschinen durchs Land. Von Daran führt die Straße gut südlich zum Kurang Tal nach Chelgerd.
Dorfstraße von Chelgerd

Die farsische Beschilderung auf den kleinen Straßen gibt Rätsel auf. An einer Tankstelle frage ich ältere Einheimische. Sie verstehen meine Frage nicht. Ob sie die Karte lesen können bleibt offen. Ein jüngerer versteht mich und so habe ich einen Vorfahren. Das hat wiederum den Nachteil, dass ich den Fluß, der sich links des Weges seinen Lauf durch die Landschaft gespült hat, nicht fotografieren kann. Schon dicht hinter Daran bildete er eine See an dessen Ufern sich Pappeln im Wind wiegen lassen. Er spendet der Landschaft Leben. Die Bauern freut es. Sie bestellen ihr Land in der Hoffnung, ihre Saat findet genügend Nahrung. Im dunstigen Schleier des Sonnenlichtes erheben sich wieder mächtige schneebedeckte Berge. In den Senken werden sie von rostbraune Hügeln verdeckt.
Nach Chelgerd kam ich schnell. Das ersbeste Hotel wollte ich nicht nehmen, sondern das ganz nett im Reiseführer beschriebene. Es hatte eine schöne Lage, etwas abseits der Straße. Aber der Preis war mit zu hoch. Handeln war nicht möglich. Es wurde das Erste, für weniger als den halben Preis.


Ein Mittagsschläfchen sollte mich aufmuntern und bessere Licht zum Fotografieren bescheren. Ich wollte die Bakhtiari Nomaden suchen. Auf der Autobahn fallen sie bereits auf. Ein Lastwagen ist mit Zelt, Hab und Gut beladen. Schafe, Ziegen, Hühner und sogar eine Kuh machen die Wanne voll. Manchmal sitzt der Großvater in seiner schwarzen Kleidung und dem Käppi auf dem Haupt auf dem Hausrat, darunter hocken die restlichen Familienmitglieder. Die Nomaden ziehen im Sommer in das Kuhrang Tal auf die Sommerweiden.
Nomade

Sommerzelt

In Zelten leben sie einfach, wahrscheinlich von der Hand in den Mund. Die Kinder helfen beim hüten.  Die Nomaden sind wohl nicht so gut gelitten.
Hohe Berge über 4000 m begrenzen des Tal nach Süden. Prächtige Berge. Auf dem Weg wurde ein straßennaher
 Wasserfall schick eingefasst und zur Touristenattraktion. Ein pfiffiger kleiner Junge verkaufte mir gleich eine Tüte Kräuter. Der Preis war für ihn völlig okay.
Landschaft mit alter Brücke

Es ist immer wieder beeindruckend, wie einfach Menschen leben aber auch, wie sie mit ihrer Umwelt und Umgebung umgehen. Vieles wird liegen gelassen, das Dorf wirkt lieblos.
Dorfschmied,
mit Lehm und einem el. Gebläse
hatte er sich eine Schmiedeofen
gebaut




Sommerweidengruß





Dienstag, 23. Mai 2017

Weiterhin beeindruckende Landschaften

Nach Rücksprache mit Prof. Mach-Selber habe ich mich nun doch entschieden noch ein paar Fotos von Bisotun zu veröffentlichen​.
Der Phartenstein, zeugt von der Kunst des vorchristlichen Volkes die das damalige Persien bis weit nach Mesopotamien beherrschten

In Stein gehauener Herkules, Keule im Hintergrund
H



Die größte Attraktion verschwindet hinter dem Gerüst,
nach Prof. Mach-Selber eine kulturhistorische Schande







Im Hotel hatten mich die Beiden ins Herz geschlossen

Auf dem Weg nach Aligudarz

In der Fernfahrerkneipe am Rande der Autobahn gibt es  Einfaches vom Grill

Landschaft bei Aligudarz

Landschaft bei Daran

Einkaufsmeile von Daran












Montag, 22. Mai 2017

Kleine Tour zum Bisotun Felsen und nach Khorramabad

Sie hatte die Nachfolge erreicht. Die Archäologen der Universität Bamberg hatten sieht berufen. Eine würdige Nachfolgerin von Heinz Luschey. Auf dem hellen Flur vor ihrem Zimmer leuchtete das neue Schild, Prof. Dr. Bertha Mach-Selber, Archäologin für Frühgeschichte. Es hatte gedauert. Sie war zäh und konnte wenn es darauf ankam, ihren Charm einsetzen. Nicht nur das, auch mancher Tritt, den sie verteilt hatte, saß noch immer.
Sie hatte viele Sitzungen in großen Städten der Welt verbracht. Zuerst mit Heinz zusammen, später in eigener Regie. Heinz liebte Persien über alles. Besonders, nach dem er eine überaus attraktive Iranerin am theheraner Institut für Altertümern kennengelernt hatte. Es war ihm gelungen, in Bistum eine Ausgrabungsstätte zu eröffnen. Unterhalb des weithin sichtbaren, 2600 m hohen Felsens, erzählten ihm Bauern von  Lehmziegeln, die beim Pflügen aus der Erde kamen.
Bistun war ihm schnell ans Herz gewachsen. Schon bei der Anreise beeindruckte der Felsen, der sich zu einem riesen Berg empor reckte. Ort der Götter nannten ihn die alten Schriften. In die Wand des beeindruckenden Berges hatten vor Urzeiten, also gut 200 vor Chr.,  Parther Skulpturen und Reliefs in den Felsen gemeißelt. Besonders beeindruckend war die gut ausgearbeitete Herkules Figur, die er gemeinsam mit iranischen Kollegen vom Schutt befreit hatte.
Ein weiter oben direkt in die Wand gearbeitet Relief war König Darius gewidmet und wahrscheinlich 520 vor Chr. entstanden. Textfelder, wie kann es auch anders sein, beschrieben die Bedeutung Darius I. und die Größe des damaligen persischen Reiches. Es reichte bis Ägypten und weiter bis nach Pakistan. Erwähnt wird die Niederschlagung einer Rebellion und eine Drohungen an künftige Aufrührer. Es ist eine von ihm gegründete Keilsxhrift, die von der Felswand prangt.

Prof. Mach-Selber starrte auf das Bild ihrer Hand, dafür hatte sie nun jahrelang gekämpft. In Sitzungen mit altehrwürdigen Archäologen gestritten, gebuhlt, Partner gesucht und gefunden. Unterstüzt du mich, unterstütze ich dich. Heinz hatte sie gewarnt. Es würde schwierig werden. Zu viele Intrigen, zu viel Geld würde auf dem Spiel stehen. Sie ließ nicht nach. Die Thehraner waren stark daran interessiert, der alten Stätte bedeutendes Gewicht zu verleihen. Als sie einen ägyptischen Wissenschaftler, der seine eigene Arbeit gestärkt sehen wollte, unterstütze, hatte sie den gewünschten Erfolg. Bistum wurde zum UNESCO Weltkulturerbe. 2006 entschied das Gremium, Bisotun zum dem zu machen, was es war. Damit kamen auch die Ausgrabungsarbeiten an der alten Karawanserei zur Geltung. Sie stammt aus dem 13. bzw. 14 Jh. Von ihr sind nur noch die Grundmauern und einige schöne Bögen erhalten. In der Neueren ca. 1640, befindet sich heute ein schönes Hotel.

Und jetzt das. Man hätte unterhalb des Darius Reliefs ein riesen Gerüst aufgebaut. Angeblich um Restaurationarbeiten durchzuführen. Damit war Jedermann der Blick auf dieses Altertum genommen. Es ist zum Verzweifeln. Sie hatte versucht, mit den persischen Kollegen nach Lösungen zu suchen. Vergeblich. Man war nicht bereit ihr Gehört zu schenken. So würde noch für Jahre der Blick für Besucher versperrt sein.

Von dort ging es auf der S 35 weiter nach Khoram Abad. Welch eine Landschaft. Uralte Bergketten, deren Felsen ihre Abbrüche unter sich geworfen hatten. So viel Steine, dass kaum noch die Gipfel aus dem Geröllschutt ragen. In die  Schutthalden beißen sich Pflanzen fest und mildern das Vergangene. Dort, wo die Schneeschmelze Wasser hinterlassen hat, wachsen Bäume. Von weitem wirken ihre Kronen​ wie Kugel auf leichtem Stamm. Sie stehen nicht dicht zusammen, eher suchen sie für sich Halt und Feuchte. Es gibt dem weiten Land etwas majestätisches. Und immer wieder die frische Erde zwischen Feldern, auf denen ein kurzer Weizen wächst. Die hingeworfenen Muster sind in ihrer Schlichtheit schön. Selten ein Fluß. Schafherden unter die sich Ziegen gemischt habe beißen das trockene Gras kurz.

Und jetzt hatte ich im Hotel zum ersten Mal ein Gespräch mit Iranerin. Natürlich das Übliche. Wir haben viel gelacht. Trotz des Kopftücher.

Sonntag, 21. Mai 2017

Wir gehen wo super genial

Der 85 jährige Hotelbesitzer Ali Maradi sitzt in seinem Rolator und schaut aus dem Fenster der Hotellobby. Kaum bewegt er seinen Kopf. Er spricht Englisch. Deutschland ist gut, wir sollten mehr zusammenarbeiten. Was beobachtet er? Autos, Passanten, Szenen? Denkt er an früher oder an die Zukunft? Es gibt viel Bewegung vor dem Fenster.
Heute ist Kulturtage. Basar und Moschee wollen besucht sein. Ein bisschen Geld wechseln auch und damit fängt wieder alles an. Heute, am Sonntag sind Banken und Geschäfte offen. In Banken soll man nicht tauschen, zu kompliziert und ein schlechter Kurs. Zum Basar geht es die Straße um die Ecke geradeaus. Ich laufe gerne. Kleine Läden säumen die Straße. Bäcker backen das täglich Brot in breiten flachen
langen Fladen. Andere heizen den Höhlenofen für Backwerk vor. Die Gegend um den Basar ist erkennbar an den Gewürz- und Schmuckhändlern. Wieder ein Polizist, der meine Fragen nach einer Wechselstube weiterleitet. Ein junger Mann taucht mit mir in die dunklen Gassen der Goldhändler ab. Ein paar Treppen hinauf, Glühlampen erhellen die goldenen Auslagen. Das Dach verwegen schief. Überall Männer vor den Schmuckstuben. Ausgetretene Fliesen, fehlende Stücke. Da, eine Auslage mit Münzen und einem übergroßen 100 € Schein. Schmal der Eingang. Kaum ein Mann passt durch. Der junge Mann erklärt meinen Wunsch. Schnell ist das Geld gewechselt. Das mit den Nullen, es sind Millionen, die ich erhalte, ist immer noch ungewohnt. Wir gehen zurück. In der Nähe muss die Emad-od-Dohleh-Moschee sein. Ich Frage nach dem Weg. Moment, er verschwindet mit meinem Reiseführer in dem Laden, aus dem er kam. Es dauert, ich frage nach. Ich soll ihm folgen. Er führt mich wieder durch den Basar. Jetzt überwiegen die Stoffhändler. Der Hinterausgang, Stufen hochsteigen, ein Torbogen gut erhalten. Hier entlang. Ein Hof öffnet sich. In der Mitte des Ecke ein Wasserbecken. Ringsum sind vier Iwane (Bedeutender Teil eines Palastes oder so...) zu erkennen.

Ich muss mir die Hände waschen. Dann darf ich mir alles anschauen.
Er winkt mich weiter. Wieder durch den Basar. Über die Straße durch den rollenden Verkehr, am alten Basar vorbei. Wo gehen wir hin? (Alles über Smartphone). "Wir gehen wo super genial." Ich bin gespannt. Seitenstraßen, alte Häuser, blinde Scheiben, ebenerdig kleine Läden. Bäume spenden Schatten, kühler Wind weht.
Ein prächtiges Gebäude: "Tekiyeh Malven ol-Molk."

 Die touristische Hauptattraktion der Stadt. 1890 errichtet, um Festspiele zur Erinnerung an den Tod Imam Hoseyns bei Kerbala zu erinnern. Passionsspiele um 1600 von safawidischen Königen verbreitet, fanden hier statt. Im 19.1 Jh. durch das qajarische Königshaus gefördert. Es soll in vielen Städten noch solche Häuser geben.
Mohamed ist 24 Jahre alt und arbeitsloser Architekt. Er führt mich im Museum umher und erklärt manches. Der Innenhof ist mit seiner blühenden Rosenpracht

 und den Fliesenbildern eine Augenweide. Andere Fliesenbildern zeigen Szenen vom Tod in Kerbala.
Als wir die schöne Stätte verlassen, wartet sein Freund Jasie auf uns. Er will mit uns zur Grotte Taq-e Bostan fahren. Gut  20 Minuten geht es in Richtung Berge. Es ist eine sassanidische Anlage bei einem Quellsee. Die Reliefs zeigen König Khosrow II (noch nie gehört...) 590 - 628.


Schöne Arbeiten, die unglaublich gut erhalten sind. Die alten Künstler sind bewundernswert.
Ich lade beide zum Essen ein. Sie wollen, dass ich noch zum Geburtstag einer Freundin eines Freundes mitkomme. Ich bedanke mich herzlich. Meine Kapazität ist erschöpft. Wir verabschieden uns herzlich und ich schlenderte ruhig zum Hotel. Was man alles erlebt.

Samstag, 20. Mai 2017

Bergtechnisches Gesellstück in den Kurdischen Bergen

Manchmal verhindern meine Ängste notwendige Gelassenheit. Ich hatte Bedenken, die Nacht auf der Straße verbringen zu müssen, da nahm ich das erste Hotel. Vom Preis sehr OK, sonst einfach. Wäre ich am Vortag noch ein bisschen durch die Stadt gefahren, hätte ich den See und eine Zeltmöglichkeit erlebt. So sah ich mir den schilfumwobenen See am frühen Vormittag an.
 Mutter und Tochter sprechen mich fragen, wie es mir in Kurdistan gefällt und so. Zurück bleibt ein Foto von mir.
Die Überraschung, die auf mich wartet, war hier am traulichen See nicht zu erkennen.
Landschaft bei Merivan

Im Reiseführer steht, dass es eine der schönsten Bergregion in ganz Iran sei. Sowohl Landschaftlich als auch von der Ursprünglichkeit gäbe es kaum etwas vergleichbares.  Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Erster Eindruck der Hammertour durch Kurdische Berg dicht an der irakischen Grenze. Iranische Touristen erfreuten sich an den dicken Schneeresten am Straßenrand, überholen in Kurven, hupen fröhlich dabei und schneiden mich schnell noch 'mal. In einigen Passagen liegen zwischen zwei Kehren gute 100 Meter und die Steigung bei guten 10%. Die Straße wurde durch den Hang gezwängt. Talseite gibt es keine Begrenzung nur selten an ganz ausgesetzten Stellen sind Betonsxhwellen aufgestellt.





Einfahrt in eine Schlucht. Mit seinen scharfen steilen Felsflanken wirkt die Einfahrt wie das Tor zur Unterwelt. 
In einem kleinen Dorf in der Nähe von Nowsud. Alle möchten 
fotografiert werden oder mich fotografieren. Anhalten ist immer mit Fotos machen verbunden.

Selbst auf der Passhöhe möchten die Imbissstuben Betreiber abgelichtet werden. Ca. 2300 m hoch. Der Mann ganz rechts im braunen Anzug, geht mit mir zu einem Talblick. Tief unten liegt im Schleier der Mittagssonne eine Stadt. Dort herrsche Krieg verstehe ich. Das Städtchen liegt im Irak. Er ist zornig. Leider können wir uns nicht weiter verständigen.
 Ein kleiner  Eindruck, wie die Straße durch die Berge gebaut wurde.


Bei einer Pause für ein paar Falafel im Brot übernahm Benan die Rechnung. Er war nicht davon abzuhalten. Mit anderen saßen sie in der Bude am Straßenrand. So richtig vertrauenswürdig sahen sie nicht aus. Alle betonen, wie gut Deutschland und wie wichtig eine gute Beziehung sei.
 Aber nach dem ich sie fotografierte waren sie recht nett. Natürlich kennen viele deutschen Fußball. Da gibt es immer etwas zu erzählen.


In Ravansar war noch eine Pause fällig. Ein Getränk sollte mich erfrischen. Wieder wurde ich eingeladen. Ich konnte nicht ablehnen.
Bis Kermanschah waren es noch 75 km. Insgesamt bin ich heute 320 km gefahren, davon waren ca. 190 km Passstraße. Unterwegs war ich rd.  neun Stunden. Mit dem Taxinavi für 1,80 € ließ ich mich zum Hotel bringen. Eine gute Mahlzeit war fällig. Hier werde ich zwei Nächte verbringen und in Kultur machen.







Blumengrüße aus dem Gebirge. Das war eine großartige Tour.





















Freitag, 19. Mai 2017

Unter Polizeischutz zu kurdischen Geldwechslern

Die Zeit nahm die Stunden auf. Sie verschwinden in der Vergangenheit. Auf dem Motorrad ist es nicht anders, jeder Kolbenhub wird zum Gestern. Mit der rumänischen Familie hatte ich mein Zimmer gegen eine Nacht auf dem Klappsofa in der Küche getauscht. Wir frühstückten gemeinsam auf dem Hof. Der Tisch war ein eisernes Bettgestell. Dort wo früher die Matratze ruhte, lag jetzt eine Holzplatte bedeckt mit einem Tuch. Serviert wird flaches Weißbrot, Marmelade, frischer Käse und Joghurt. Mit schwarzem Tee wird alles verfeinert. Anschließend fand der große
Fototermin, im WS Hemd Hussein, auf dem Beiwagen
der Vater und die Rumänen
Fototermin für Husseins "Iranoverland" statt. Es dauert, weil immer wieder Männer anhalten, um ein Handyfoto zu schießen.
Das gemeinsame Tanken verging schnell. Verabschiedung von netten Beiwagenfahrern. Bis zur Ausfallstraße hatten ich noch Begleitung, dann ging es alleine weiter.
Im Licht der gleißenden Sonne bestimmt ein ausgedehnter Salzsee "Daryacheh ye Orumiye" die Landschaft.
Weiß glänzende Streifen wechseln sich mit einigen wenigen  hell eisenbraunen ab. Es dauert ehe man das salzige Gewässer verlässt. Im Hintergrund verschwinden die schneebedeckten Gipfel. Ein wenig Allgäu, nur wesentlich weiter entsteht. Eine Pause in Mahabad schenkt mir wieder großzügige Gastfreundschaft. In einer Konditorei wollte ich etwas trinken und eine Kleinigkeit essen. Der Verkäufer schenkte mir alles. In vier Monaten wird er nach Wien an die Uni gehen. Noch kann er kein Deutsch. Das wird schon, ich finde das Deutsche einfacher als das Kurdische.
Die Landschaft zeigt das Frühjahr. Junger Weizen wiegt sich neben frisch aufgeworfener Erde im steten Wind. Kleine Obstplantagen haben ihre Blüten

abgeworfen und arbeiten an den Früchten. Männer in kurdischer Tracht fallen auf. Häufig bestimmt ein Erdbraun den Farbton. Sie sieht wie ein Einteiler aus, um dessen Mitte sich ein breiter Gürtel bindet. Auch die Pappeln sind nicht gewohnt. Schlanker im Stamm, mit zwei bis drei Etagen Verästelung. Sie lassen sich vom Wind leichter wiegen und rauschen bestimmt nicht so, wie die Deutschen.
Mir fällt ein, dass ich noch Geld tauschen möchte. Divanderreh, eine Kleinstadt, scheint geeignet. Der Polizeiposten am Stadteingang wird Opfer einer Befragung. Man versteht mich. Die gemeinsame Abstimmung mit dem Dienstältesten, er ist an den roten Kordeln an der Schulter zu erkennen, ergibt den Ort der Wechselmöglichkeit. Hände und Füße reichen nicht aus, um mir den Weg zu erklären. Es wird eine Skizze gefertigt. Ich blicke auf die Striche. Schnell wird erkannt, dass ich damit das Ziel niemals erreiche. Es wird der Befehl erteilt, das Dienstmoped zu besteigen und mir voraus zu fahren. Zwei Mann sind gerade gut genug. Ich vermute, in Berlin wäre die Sache bereits am Budget gescheitert. Die Bank hat geschlossen. Mehrfaches Telefonieren. Weiter folgen bis zu einem großen Platz. Die Wechselstube. Die Polizei erklärt, ich werde übergeben. Militärisch kurzer aber freundlicher Abschied. Sie knattern mit  hängendem Blinker davon. Alle Mitarbeiter
Kurdische Geldwechsler im CD-Laden, im Hintergrund​
der Ladenbesitzer Hussein, der Lehrer für behinderte
Kinder war
der Wechselstube kommen zusammen. Gesetzte Herren in einer Art weiter Jogginghose und hellem Hemd gekleidet. Als Sprachmittler stellt sich der Ladennachbar zur Verfügung. Bald kommen weitere Männer hinzu. Woher, wie ich Kurdistan finde und die Familie sind die Themen. Und natürlich das Motorrad. Immer wieder Fotos mit dem Bienchen. Der Ladennachbar macht in CD's und Videos. Ich Frage nach kurdischer Musik. Meine Frau spielt auch Musik. Er lädt eine dicke CD mit klassischer Musik voll und schenkt sie mir. Wir trinken noch Tee zusammen.
Nicht immer geht es so. In einem kleinen Läden kaufte ich Wasser und ein zuckerhaltiges Getränk. Da habe ich eindeutig zu viel bezahlt. Der Kampf mit den Nullen und das Umrechnen klappen noch nicht.
An diesem Ort bekam ich jedenfalls den Tip für ein Hotel in Sanandaj. Dass Shadi Hotel bietet eine Menge.  Verhandlungsbereitschaft zum Beispiel. Der Nachlass von zehn € bescherte mir dann die Teilnahme am Abendbuffet. Reichhaltig, mit frischem geschältem und gekochtem Gemüse, verschiedenes Fleisch, na ja und so eben. Ich habe lange bei Tisch gesessen. Alle fragten ob ich nach Marivan fahren würde. Ein wunderschöner Ort an einem See, dicht an der irakischen Grenze. Es sei ungefährlich. Im Reiseführer wird der Ort gelobt. Eine gut zu fahrende Serpentinenstraße führt durch die kordestanische (ja, richtig mit "o") Berglandschaft.

Zum ersten Mal begleitet mich unterhalb ein springender Fluß.
Was ich immer noch nicht geschnallt habe, sind die dicken Schwellen vor und in den Orten. Manchmal kann ein Fremder sie an der gelben Markierungen davor erkennen. Oft fehlen diese oder sind abgefahren. Die Schwellen ducken sich grauen Buckeln gleich in den Asphalt, die Eingeweihte schnell erkennen.  Ich achte zu sehr auf den quirligen Verkehr und so sehe ich sie manchmal sehr spät.
In Marivan hatte ich wieder Glück. Die Schweißnaht der Kofferhalterung war gerissen. Vermutlich eine Folgende meines Hängenbleiben am Anfang der Reise. Die Autowerkstatt gegenüber dem Hotel wusste Hilfe. Der Mechanikus fuhr mit seinem Moped vor und so fand ich den Schweißer. Sie wollten kein Geld und wünschten mir eine gute Reise.
Kordestan

Merivan vor einem Gewitter mit wenig Regen,
die Städte sind hier immer Ballungsräume, bisher
häufig eng und farbig wie der Staub des Landes.





Mittwoch, 17. Mai 2017

Im iran

So, nun bin ich den zweiten Tag im Iran. Bei Hossein bin ich untergekommen und habe erst einmal alle Smartphone Probleme gelöst bekommen. Mit einem neuen Programm auf der Tablette kann ich wieder den Blog schreiben.
Von Yüksekova aus ging die Straße recht gemütlich in die Berge hoch.
 Musste ja auch, denn ich war am Vorabend noch beim Frisör. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten kämmte er mir den Scheitel rechts. Nach dem Preis gefragt sprach er:"Gib mir was dein Herz dir sagt." Zum Glück hatte ich mich vorher erkundigt, was man so bezahlt. Er hat sich gefreut.
Die Stadt  Yüksekova ist viel betongrau gekleidet. Die Berge in der Umgebung geben ihr ein wenig Strahlkraft. Aber zurück zur Fahrt an die Grenze. So richtig nahm ich dann die Landschaft nicht wahr, zu groß​war die Aufregung vor dem Grenzübertritt.
In der Türkei ging es recht locker und hilfreich zu. Lediglich um den Stempel für das Bienchen in meinem Pass musste ich buhlen. Aber er ist drinnen. So stand ich in der Sonne unter Dachvorsprüngen Schatten suchend in einer Schlange Wartenden. Man kommt immer ins Gespräch. Ich bekam den Rat, mich nach vorne zu schlängeln. Das ist mir dann auch gelungen. Eine erhebliche Wartezeit blieb mir damit erspart. Hinter dem Schlagbaum winkte mir Hossein zu, was eine gewisse Erleichterung hervorrief. Nach Passabgabe und wieder verrinnender Zeit öffnete sich der Schlagbaum zum Eintritt ins Land von 1001 Nacht. Freie Fahrt war damit noch nicht gegeben. Erst musste noch das Carnet de Passage abgestempelt werden. Hossein erledigte alles für mich. Nach zwei Stunden konnte ich dann richtig einreisen. Eine gute Straße mit regelmäßigen Schlaglöchern führte in die Millionenstadt Urumiye. Hussein fuhr so vor, dass ich ihn zwischendurch im Gewühle verlor. Am Ort warten half dann auch, er kam zurück und weiter ging 's. Der regellose Verkehr ist ausgesprochen gewöhnungsbedürftig. Da braucht man 12 Augen oder Sinne.
Hier, in Husseins B&B wird man familiär aufgenommen. Es gibt erst Tee auf dem Hof und Unterhaltung. Was bist du, was macht du hier, wer ist deine Frau, Fragen eben, die wir ebenfalls stellen.
Nach einer Ruhephase ging ich mit dem Vater, Herrn Aebos, im Viertel spazieren. Er hat einen kleinen Lieferwagen und wenig Arbeit. Im Iran wird am Freitag gewählt und überall toben sich die Kandidaten aus. Aebos besuchte eine Veranstaltung mit mir. Die Lautsprecher dröhnten was das Zeug hergab. Ich bat höflich, zu gehen. Unterwegs kaufte ich für das zwei Monate alte Baby Milchpulver, weil es immer hungrig ist. Ich wünsche dem Kind alles Gute.
Der Versicherungsmakler mit
Team

Die Stadt zeigt sich im staubigen Grau der Gegend. Der 300 Jahre alte Basar bietet alles was zum Leben nötig ist. Unter seinen Kreuzgewölben sind die kleinen Gassen nach Sparten aufgeteilt, so findet man sich zurecht. Echte Konkurrenz.
Zum Abendessen fuhr ich mit Hussein und einem Freund. Hier ist das Essen kurdisch bzw. türkisch. Wie der ganze westliche Teil des Landes eher
Der Tablettenspezialist
 türkischstämmig ist.
Nach dem Essen hatte ich noch einen Wahlkampfauftritt. Hussein, das alte Schlitzohr "zerrte" mich zu einer Veranstaltung eines örtlichen Wahlkämpfer. Sein Englischlehrer von der Universität war ein wichtiger Wahlkämpfer und er wollte mich unbedingt den Anwesenden vorstellen und mich willkommen heißen. Sie versuchten mir zu  versichern, dass alles OK und legal sei, no Problem...Also stand ich bald auf der Bühne umjubelt von 200 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Der teacher erzählte, was ich nicht verstand. Als alter Personalrat bat ich um das Micro.
"Tank vor willcome in Iran. I visited Iran for fredom, for fredom oll over the world." Das kam gut an. Man verabschiedete mich sehr herzlich.
Im lokalen Restaurant

Mit dem Schlaf war es dann doch so eine Sache, zu viele Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Ob das mit dem Blog klappen würde und mit dem Telefon.
Local essen mit Hossein


Am Vormittag konnte alles erledigt werden. Ich bin wieder mit Euch verbunden. Das ist wirklich wichtig für mich. Die lieben Grüße und Ermutigungen von euch helfen über manches Tief.
Der Vater Aebos

Eine Familie, Mutter, Vater, Kind fahren mit der Ural
 von Rumänien in die Mongolei, vier Monate. Sie waren
mit dem Maschinchen schon sehr viel in Europa unterwegs.