Freitag, 9. Juni 2017

Von Tabris zur Grenze, Aserbaidschan

Gute 4400 km bin ich im persischen Märchenland gefahren und heute wieder heil an der Grenze gelandet. Eine letzte Nacht auf einer persischen Matratze wollte ich mir vor dem Wechsel in die doch westlich angehauchte Kultur noch gönnen. Ohne Hast das Land verlassen, welches zu bereisen bereits die Träume meiner Kindheit belebte. Tee, eine letzte Tasse vor der Abfahrt. Mehr sollte nicht möglich sein, ein Rumoren in den unteren Därmen verbot das Essen. Trotz aller Vorsicht hatte es mich erwischt.
Man hatte mich gewarnt, an der Grenze stehen Helfer, die wollen Geld verdienen. An der ersten Schranke winkte mich gleich einer am Schlagbaum vorbei und bedeutete mir, anzuhalten. Habe ich aber nicht und bin eifrig weiter gefahren. Dann wurde es unübersichtlich. Viele Spuren, viele Häuser, viele Männer mit gelben Papieren (Carnet der Passage!). Ich also hin. Alles Brummifahrer. Ja, da drüben würde man den Stempel bekommen. Ein Stück weiter, ja hier nur für die Einfahrt. Ausfahrt geht oben. Also die Straße weiter hoch. Durchfahrt versperrt. Haste du noch Iran Geld, tauschen? Nein, hab alles  versoffen. "Yes, drunken!" "No Money?" "Nein, alles versoffen!" "Carnet?" Achselzucken. Einer zeigt auf ein Haus. Ich hin. "No, no,
Passport." "Wo?" Er zeigt in eine Richtung. Inzwischen haben mich drei Männer angebaggert, sie wollen mir helfen, "kein Geld." Das gibt es nicht. Lange Schlange vor dem Passschalter. Ich versuchen es von der anderen Seite, der Zöllner vergrault mich. Kommt einer mit Aktentasche und weißem Hemd, wirkt offiziell. "Give me Paß, no waiting." "How much?" No no... Den Paß gebe ich ihm nicht, sage aber "Go." Er marschiert an der Schlange vorbei zum Zöllner. Kurzes Palaver, Blick in den Computer, rumtippen, Zack ist der Stempel im Pass. Der mit dem Hemd:" Carnet!" Ich:" OK, Go!" Das Carnet wird rausgesucht. Am ersten Tisch an der Schlange vorbei. "Salam, mach mal deinen Kringel auf's Papier!" Kringel erfolgt. Weiter zum nächsten, der steht vor der Tür und raucht (will ja nur sagen, ist ja Ramadan, von wegen enthaltsam und so...) "Salam alter Schwede, habe hier wieder son Deutschen, der will sein Carnet abstempeln, kann'ste dein Kringel machen?" Ohne Worte wird gekringelt. Zurück vor die Glasscheibe mit Öffnung. Paß und Carnet verschwinden dahinter und werden eifrig bearbeitet. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, er findet mich nicht im IT-Universum. Dann aber doch. Stempel drauf und fertig. Der  Helfer bekommt noch ein Papier. Der,  "ready, to Motorcycel and go!" Na prima, keine 40 Mitnuten seit dem ersten Schlagbaum. Am Grenztor winkt er mit dem Papier. "50 € Service." Arsch, denke ich und lache ihn an. "You are prima Helper. Tank you! Gut, not 50 €. 15 OK." Er spielt den Entsetzen. " Nö, 50 €." Ich: "Ist ein bisken fülle für die paar Minuten." Er: "I don't understand." " Make a new Price!" Das Weißhemd: "Ok, 40  €." Ich schüttele mein weises Haupt und zeige mit dem Daumen nach unten. Also, wir einigen uns auf 30. Ist immer noch zu viel. Die ganzen Gänge hätte ich bestimmt nicht hinbekommen oder nur nach Stunden. Jedenfalls stehe ich vor dem Tor in die Türkei. Es bleibt erst mal geschlossen. Zwei Soldaten sitzen im Schatten und plaudern. Ich suche Schatten. Nach 10 Minuten gehe ich zu den Beiden. Einer erhebt sich und deutet an, dass er das Tor öffnen wird. Seinem türkischen Kollegen ruft er zu, dass er sein Tor auch öffnen soll. Der macht erst noch seine Aufgaben zu Ende. Wie von elektrischer Energie betrieben schleicht sich das eiserne Tor zur Seite. Gut geschmiert gibt es keinen Ton von sich. Ich durch, Biene abgestellt und zum Häuschen. Der schreibt seiner Geliebten gerade ein Gedicht. Nach dem ich mich geräuspert habe, ist auch das Poem zu Ende geschrieben. Ich soll erst irgendwo darüber gehen. Der hat das Gedicht nötig, so brummig ist der drauf. Also darüber. Hier werden auch Gedichte geschrieben. Paß, carpaper,  ist seine knappe Anweisung. Jetzt schreibt er ein Epos in den Computer. Es wird die zweite Strophe zu meiner ersten Durchfahrt. Der Eintrag kommt in den Pass. Ich wieder zurück zum Ersten. Der ist bestimmt bei der dritten Strophe. Fast wortlos erfolgt das Verfahren zur Einreise in die Türkei. Ich darf weiter. Wie sich ein paar Minuten später herausstellte sagte er mir nicht, dass ich ein Papier benötige. Deswegen werde ich am Durchlass zur Autobahn zurückgeschickt. Krudeliger Untergrund auf der Straße vor dem Tor. Wende da mal 300 kg. Na immer schön ruhig. Alle schauen zu. Jetzt mache ich Show. Ich schiebe die Biene rückwärts. Ein Pickup mit Soldaten steht im Weg. Als ich losfahre sind alle gespannt, ob ich vorbei komme. Im iranischen Verkehr gestählt, fahre ich um Haaresbreite am Auto vorbei. Vor dem Bürohäuschen, an dem ich bei grüner Ampel vorbeifuhr, steht ein Soldat und winkt mich auf die andere Seite, will ich aber nicht. Er winkt heftig. Ich rufe ihm zu, dass ich nicht Einreise. So, der kleinen Zettel, halbe BVG Fahrscheingröße, ist der Toröffner. Fast wäre er davon geflatter aber der Zöllner fängt ihn ein und ich fahre in der Türkei. Schön, dass der 5100 Meter hohe Ararat majestätisch über Allem wacht und an die Biebelstunden bei Pastor Rauh erinnert.
Die Realisierung von Träumen will verdient sein. Ohne Belastung gibt es keine Energie für Zufriedenheit und umgekehrt. Solche Situationen sind anstrengend und ich muss hellwach dabei sein. Ein Fehler, ein falscher Satz können unangenehme Folgen haben. Es hilft sich zu sagen, dass die Anderen auch leben wollen. Manchmal auf eine Art die ich nicht verstehe, aber muss ich das?

Donnerstag, 8. Juni 2017

Sag zum Abschied leise "khoda hafez"

Nun, wo das Ende meiner Fahrt durch Persien naht, ist meine Gefühlswelt ein Kuddelmudel. Ich hoffe, gut über die Grenze zu kommen. Jetzt nach den Anschlägen in Teheran kann ich nicht einschätzen, was und wie kontrolliert wird. Nach zwei Nächten bin ich klüger.
Tabris die 2 Millionenstadt zeigt deutlich, dass sich die meisten Iraner in den bekannten Städten drängen. Gut 75 Millionen Menschen leben in der Gebirgs- und Wüstenlandschaft des vergangenen Weltreiches Persien. Auf der Rangliste der bevölkerungsreichen Länder belegte der Iran 2011 den Platz 17 hinter Deutschland. Neben den Persern leben Aserbaidschaner und Kurden hier. Es soll auch noch die Lust geben, die habe ich leider nicht getroffen.
Landschaftlich hat das Land viel zu bieten. Die mächtigen Berge und die weiten Wüsten, die sich wie ein ausgelaufenes Meer zwischen den Gebirgen erstrecken, sind teilweise von bizarrer Schönheit. Viel trockenem Land wird Nahrung abgerungen.
Die dichte Bevölkerung in den Häusermeeren führt zu der Vereinfachung des Alltags. Man braucht schnell ein Dach über dem Kopf. Da lebt und schläft der alleinlebende Parkplatzwächter im zwei mal zwei Meter Wachhäuschen und lebt vom Anteil der Parkgebühren. Oft wirkt das Urbane lieblos. Das drückt auch die Verschmutzung der Umwelt aus. Kann man sagen, jeder lebt so wie er geliebt wird? Junge und alte Männer schieben schwer beladene Karren durch die Basare. Die Karren sind alt und wirken gebrechlich, die Räder eiern und machen das Schieben schwer. Wen kümmert's! In den Basaren hocken Männer vor ihren Läden. Unmengen von Hosen werden feil geboten. Im Hintergrund des Ladens stapelt sich die Ware bis unter die Decke des Gewölbes. Mir ist unbegreiflich, wer das alles kaufen soll. Fast an jeder freien Stelle unter dem Gewölbe hat ein Kleinhändler ein Tisch aufgestellt oder eine Decke auf den Boden gelegt, um Obst, Feuerzeuge oder Schals zu verkaufen. Auf den Straßen wiederholt sich das. Selten machen sich Bettler bemerkbar.
Meine Reisezeit ist nicht optimal gewählt (Ramadan). Kein Cafe oder Teehaus hat vor 21 Uhr geöffnet. Es gibt kaum ein Ort zum Verweilen und um Leute zu beobachten. Schade.
Nochmals zum Verkehr. Ruß und anderen Abgase entlassen die Motore ungefiltert (wobei das bei uns  ja auch nur Schönfärberei ist...) in die Luft. Den Typen mit der Sense wird es freuen. Die triefende Gemütlichkeit einer aufgeräumten Schwarzwälder Kuckucksuhr gibt es hier nicht. An manchen Häusern werden Rosen und Obstbäume gepflegt. Das Auge erfreut sich daran.
Die Gebirgslandschaft mit dem Wasser und dem kräftigen Laubwald waren mir eine Freude. Die Weite der Wüste und ihr heißer Sand sind nach wie vor irritierend. Das war die Erfahrung wert. Besonders die fast wasserlosen Gebirgszüge mit ihrem vielfältigen Farbspiel von Weiß, Rostrot, Braun, Grünspan, Anthrazit bis Schwarz boten einen Firnis, wie ihn nur alte Meister zaubern können.
Das welke Grau der Städte und der quirlende Verkehr haben manchmal etwas bedrückendes. Das ständige angesprochen werden ist bisweilen anstrengend. Immer Smalltalk geht nicht. Deswegen habe ich mir heute einen Dienstwagen gebucht und mich von Mr. Amesi nach Kandovan fahren lassen. Ein touristisch voll erschlossenes Felsen-Dorf. In den Tuffstein, mit seinen Kegeln, hat man bereits in vorislamischer Zeit Höhlen gearbeitet, um darin zu wohnen. Bis heute leben Menschen dort. Die Höhlenwohnung hat ihre Vorteile, im Sommer ist es schön kühl. Die Tuffkegel (Gestein vulkanischen Ursprungs, lässt sich leicht bearbeiten) sind mit Treppen verbunden, damit die darüber liegenden Wohnräume erreichbar sind. Manch waghalsige Brückenkonstruktion aus rohen Holzbalken verbindet einzelne Kegel miteinander. Eine Augenweide sind die Frauen, sie tragen bunte Umhänge mit blumigen Mustern. Auf dem Rückweg musste Mr. Amise noch den Keilriemen wechseln. Er hatte das gut im Griff. Die Zeit bis zum Essen fassen reichte noch für eine Dusche aus. Sie wäre eigentlichlich nicht nötig gewesen, denn ich wollte in ein ehemaliges Hamam zum Essen gehen. War ich dann auch, war nett (ohne Dusche) und ich bin satt geworden.
Zur Gefühlswelt schreibe ich vielleicht noch etwas, wenn ich das Land verlassen habe.

Dienstag, 6. Juni 2017

Der Ärger der fehlenden Bilder

Der Ärger über die nicht mehr vorhandenen Bilddateien sitzt tief. Schlecht geschlafen, versucht an das Gute zu denken und trotzdem. So ein Verlust will verschmerzen sein. Das macht sich auch in Wut bemerkbar. Die mich beim Überholen schneidenden Autos lasse ich nicht so einfach vorbei. Wenn ich am Gas drehe, bleiben die stehen. Das bedeutet strenge Selbstkontrolle. Zurücknehmen, weiterhin ruhig fahren. Mit Unmut im Bauch kommt man nicht weit.
Ich bin bis Ahar gekommen. Landschaftlichen hübsch. Wieder Berge, einer über 4000 m hoch. Ich fahre auf einer Hochebene. Die frischen Buchenwälder gibt es nicht mehr. Dafür haben Bauern das Land unter ihren Pflug genommen. Getreide, auch Reis, gedeihen ebenso wie Kirschen. Sie sind jetzt gerade reif und werden con Bauern, die mit ihren blauen Pickups am Straßenrand stehen, verkauft. Aprikosen, Melonen und natürlich Tomaten stapeln sich in den Autos oder auf dem Weg. Immer wieder halten Einheimische und kaufen ein. Die Landschaft gibt der Hitze Raum. Doch der ständige Wind von den kühlen Gipfeln macht sie erträglich. Nadelbäume sind rar, dafür habe sich Pappeln und Birken im Land verwurzelt. Die Menschen unterstützen sie dabei.
Bei einem Halt in Ardebil parkte ich zu dicht am Hintereingang der Moschee. Der Mulla kam mit seinem Auto nicht auf den Hof. Ich entschuldige mich und schob meine Biene zur Seite. Als Dank bekam ich eine Honigmelone geschenkt. Dadurch bekam  ich der Nachteil des Alleinreisens deutlich zu spüren. Man kann sich keine Wassermelone kaufen, man schafft sie einfach nicht aufzuessen. Transportiere 'mal eine angegessene Melone bei 34 Grad auf dem Motorrad! Das geht einfach nicht. Und stückweise hat mir noch kein Händler Melone verkauft.
Wie ich also so rumsitze kommen wie immer Männer und wollen wissen wo ich herkomme. "Allmaan," lautet meine Antwort. "Ah, Germany, Germany gut." Dann geht noch "how are you?" Wobei die Gegenfrage schon kaum noch verstanden wird. Heute gesellte sich jedoch ein Vater mit seinen Söhnen dazu. Der Ältere sprach gut Englisch. Der Vater gab ihm auf, zu übersetzen. Sie leben in Tabriz und ich soll mich unbedingt melden, wenn ich dort bin. Sie würden mir die wichtigsten Dinge der Stadt zeigen wollen. Na, mal sehen, ob ich das annehme.
Die Hotelsuche war einfach. Halten an der Polizeistation, fragen und mit Blaulicht zum Hotel bringen lassen. Insofern war der Tag auch ganz schön.
Ob jetzt noch einmal Bilder hochlade? Gestern habe ich mir dabei als Daten zerschossen. Ich muss mir die Sache überlegen.
Und dann ist mir wieder eine tolle  Sache passiert. Ist ja Ramadan, bekommste vor 21 Uhr nichts zu futtern. Ich Frage den Hotelboy. Der zeigt die Hauptstraße runter, dreht mit der Hand zwei Kringel in die Luft und winkt dann nach Rechts und Links. Gehe die Straße hoch, beim zweiten Kreisverkehr sind rechts und links Lokale. Ich also los.   Ein Stück nach dem ersten Kreis sieht es hinter einem Schaufenster verdammt gut nach Gaststätte aus. Bestimmt zu zwei Drittel besetzt. Da spare ich mir Fersengeld. "Salam!" Gibt es etwas zu essen? Frage ich mit meinem Dolmetscher einen jungen Mann im roten Servierjäckchen. Er wirkt ein bisschen unsicher. Es kommen zwei Männer dazu. Handschlag, woher? Germany gut. Ich schaue mich um. Rechts sitzen nur Frauen, alle im typischen Landesschwarz. Sie wirken munter. Links sitzen nur Männer. Die sehen aus wie bei uns. Ich Frage nach, ob es tatsächlich eine Gaststätte ist. Ja, klar, gutes Essen. Mir wird ein Mann vorgestellt. Ich verstehe nichts. Setz dich Mal hier an die Ecke. Ist ja schön, ich sitze zwischen allen Stühlen. Germany ist neutral. Es kommen noch Frauen herein. Da muss ich mich umsetzen. Die vom Männertisch winken schon. Der mir gegenüber sitzt kann ein paar Brocken Deutsch. Sein Bruder lebt in Heidelberg. Ja, ja, ein gutes Lokal. Bald kommt die Suppe. Tomate mit  Graupen und Möhrenstiften.  Mit dem Salz hat man es im Iran nicht so. Ich soll das Brot dazu essen und die "dekmäh" ( Reis, Gewürze in Weinblättern). Salat steht in einer Plastikverpackung bereit. Ich und Ungekochtes, da kann ich mir gleich die Hose zubinden. Zwischendurch ein süßer Happen Halva mit Pistazienhack. Ja, ich reise alleine. Mein Freund bekommt das Bein nicht mehr über den Sattel. Ich mache vor. Verstehende Erheiterung. Ich versuchen ihnen meine Reiseroute vorzustellen. Sie sind begeistert und schütteln den Kopf. Jetzt kommt Reis und Kebab. Die gegrillte Tomate mischt man unter den Reis. Ebenso den Frischkäse. Mit Sumac bestreuen gibt es manchmal etwas mehr Würze. Tee, Cola, Wasser helfen gegen den Durst. Zu guter Letzt schließt ein kastaniengroßer süßer Happen den Magen. Dann noch für jeden eine Banane für den Weg. Ich sei von Herrn Mesikli eingeladen. Ist das nicht prima. Er freut sich, dass er mich einladen konnte. Ich soll noch mit nach Hause kommen. Ich lehne dankend ab. Morgen wieder fit aufs Motorrad und so. Ich vermute, man hatte zum gemeinsamen Fasten brechen geladen aber was das genau war? Jedenfalls war es nett und ich hatte Unterhaltung. So geht es hier zu.

Sonntag, 4. Juni 2017

Weiter in den Bergen

Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von Ali und seiner Frau. Ich musste wieder mit dem Bruder Maji telefonieren. Er hält sich in Teheran auf, lebt aber in Berlin. Er veklickerte mir, das Ali alles geregelt habe. Ich müsse nur die Übernachtungen bezahlen. Lunch und Dinner würde ich so bekommen. Außerdem sei ich ganz herzlich nach Teheran eingeladen, natürlich mit Sabine. Es gelang mir nicht, etwas auszuschlagen. Zu guter Letzt überreichte Ali mir noch eine Riesenpackung Tee aus der Region. Ich konnte es nicht zurückweisen.
Also fuhr ich reich beschenkt nach Rasht.
Es muss gegen 1890 gewesen sein, als man von Berlin ziemlich direkt nach Rasht reisen konnte. Die Stadt war Ausgangspunkt für Persienreisende. Mit der Eisenbahn ging es nach Odessa. Dort wartete ein dicker Dampfer und brachte die Reisenden nach Batumi. Ab hier stieg man wieder in Wagongs und die russische Lokomotive zog alles über Tiflis nach Baku. Ein Schiff  brachte die​ Fremden zum Hafen Bandar Anzali. Ab hier ging es mit dem Kamel, dem Pferd oder mit dem fliegenden Teppich nach Rasht und weiter nach Teheran.
Heute ist es eine moderne Stadt. Vom Alten ist kaum etwas zu sehen. Also fuhr ich weiter. Das war nicht so einfach, denn der Weg war schwer zu finden. Ich fand wieder einen Motorradfahrer, der mir vorfuhr. An einer wuseligen Ecke passierte es dann doch. Ich hielt lieber an, als mich in Gefahr zu bringen. Schon schepperte es. Mir fuhr einer in den Koffer. Er schimpfte auf mich. Sein Scheinwerferglas hatte es zerbröselt. Der Motorradfahrer wies ihn zurecht. Und der Polizist winkte ihn weiter. Außer einen weiteren Kratzer hatte der Koffer nichts abbekommen. Ich sollte einfach weiterfahren. So habe ich das dann auch getahn. Dann kam aber erst der richtige Stau. Gefühlte 45 Minuten ging es in schönster Mittagssonne stop and go zu einer Baustelle. Ich war froh, unfallfrei den Stau überlebt zu haben.
In Asalem fand ich den Abzweig nach Khalkhal, meinem heutigen Ziel. Eine schöne Gebirgsstraße führt in den Bergort. Wie hier üblich, ist die Straße​ von Hüttenrestaurants gesäumt. Schade, das alle fasten. Es gab noch kein gegrilltes Lamm. Eine Art Ayran und 'ne Sprite konnte ich ergattern. Kleine Sandkuchen vom "Vortag" fand ich in der Satteltasche. Es half über den Tiefpunkt. Ebenso brachte ein  Nickerchen im kühlen Schatten einer Buche frische Energie. Immer wieder wird die Biene bestaunt. Ich bin mit ihr und den Männern z.Z. das am meisten fotografierte Objekt im Iran. Inzwischen habe ich Gleichmut entwickelt und Ertrage es mit Fassung. Bei einem Fotostop bekam ich einen Tee und musste mich wieder ablichten lassen.  Um mich herum habe  sich das Sabalan Gebirge und die  nördliche Ausläufer des Elburz Gebirges aufgebaut. Am dichten Buchenwald ist erkennbar, dass es häufiger regnet. Das Gehölz und  grüne Buschwerk nehmen dem beigen Fels die schroffe Härte. Alles  sieht lieblicher aus. Die Sonne und die dicken weißen Wolken unterstreichen das freundliche Gesicht der Berglandschaft. Das feuchte Wetter bekommt auch der Moghan-Ebene gut. Gemüse und Früchte wachsen zielstrebig.
Die Orte sind von Weitem nett anzuschauen, kommt man näher zeigen sie sich oft Vernachlässigtes.
Ein ordentliches Hotel für einen angemessenen Preis ist schnell gefunden, mit WiFi.

So, jetzt ist passiert, was ganz schrecklich ist, Google hat meinen Bilderspeicher gelöscht und ich habe kein einziges Bild mehr. Das Zwischendurchspeichern war erfolglos und so verlasse ich Persien ohne meine Bilder. So ist das eben. Sehr schade. Zum Heulen....

Samstag, 3. Juni 2017

Strandspaziergang

 Im Brandenburgischen essen die Pfingstradler/innen Eisbein und radeln kurze Strecken. Der Strand des Kaspischen Meeres lädt zum Strandspaziergang ein. Hier gibt es auch Feiertage ob es sich dabei um Pfingsten handelt könnte ich nicht erfahren. Das Hotel ist gut besucht und am Strand tummeln sich die Gäste.
Herr Mohammad ist gar nicht der Hotelmanager sondern ein Gast. Der Bruder seiner Frau betreibt das Gästehaus. Er verbringt mit Frau und Tochter freie Tag am Meer. Seine Frau, ehemals Lehrerin und er arbeiten nicht mehr. Sie sind froh, ihren Tag so zu leben, wie sie Lust haben.
Familie Mohammadi

So ein fauler Tag ist ganz schön und bereitet den Abschied vor.

48 Jahre alter sowjetischer Geländewagen
















Die gab es wie Sand am Meer, ungefährlich

Die liefen dort Rum, ist doch schön
Strandleben am Hotel






So ein schöner Tag
Ob Kranich  oder Reiher kann man
nur von unten erkennen


Freitag, 2. Juni 2017

Pause am kaspischen Meer

Im Rückblick war es doch eine gute Entscheidung, nicht nach Tehran hineinzufahren. Bis zum großen Flughafen ging es noch ganz gut. Ab dann fingen die Vorstädte von den Vorstädten der Kleinstädte an. Fast zwei Stunden fuhr ich durch dichten Verkehr, in dem Jeder eher als der Andere an der nächsten Ecke sein wollte.  Die von mir geplante Strecke waren nicht immer ganz eindeutig ausgewiesen oder ich war zu sehr auf den Verkehr konzentriert, jedenfalls musste ich zwei Mal Ehrenrunden drehen. Hier ist das aber nicht so schlimm. Ist man an einer Ausfahrt noch nicht zu weit vorbei, kann man auf der Standspur wenden und richtig einfädeln. Einmal hat mich ein Polizist in den Gegenverkehr eingewunken und so kam ich gut weiter.

Hier läuft beim Abendessen und überhaupt ständig der Fernseher. Die Werbung unterscheidet sich kaum von der, die wir kennen. Windeln, Wasch- und Geschirrspülmittel die Bilder und Geschichten gleiche sich. Signal Zahnpasta oder Lux Seife werden angepriesen. Das wirft die Frage auf, worin unterscheiden wir uns, wenn wir für gleiche Werbung empfänglich sind? Oder haben die Konzerne bereits ihre Produktwerbung über politische Grenzen hinweg vernetzt?
Jetzt zu Ramadan, wo tagsüber nichts gegessen und getrunken und auch sonst enthaltsam gelebt wird, sind alle Menschen angehalten, besonders freundlich zu sein. Offensichtlich wird es nicht ganz so streng gehandhabt. Ich bin bisher nicht verdurstet und verhungert.
Im TV wird von Feierlichkeiten zum Ramadan berichtet. Hier im Iran herrschen die Shiiten. Suniten gibt es auch, welche Rolle sie spielen habe ich bisher nicht erkannt. Die beiden Richtungen entstanden aus einem Familienstreit. Man konnte sich nicht einigen, welche Familie die rechtmäßige Nachfolge des Propheten antreten soll. Die drei Religionen (Moslems, Juden und Christen) streiten sich ja, wie in einer guten Familie üblich, seit Jahrhunderten um die Wahrheit. Wer von ihnen vertritt Abraham, den Urvater, mit der schönsten Wahrheit? Es ist schwer, in einer Großfamilie alle unter eine Hut zu bekommen.

Alborzgebirge


Schwarzbunte Iranerin

Regenwald, Nordseite des Alborz

Heute fuhr ich weiter durch das Alborzgebirge. Auf der Nordseite fällt es steil ins Meer ab. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen von einem Bergdorf zum Nächsten. Leider verhinderte eine dichte Wolkenschicht den Blick auf die Gipfel. Vom Kaspischen Meer steigen feuchte Lüfte an den Hängen auf und regnen sich ab. Eine üppige waldreiche Vegetation erfreut die Menschen. Buchen und andere Laubbäume herrschen vor. Tee und Reis können angebaut werden. Im Hotel, welches ich nur nahm, weil ich meine Motorradklamotten in der Maschine waschen konnte, arbeitet ein Manager, der einen Bruder in Berlin hat. Er selbst war mit seiner Tochter in Berlin und ich musste gleich mit Maji telefonieren. Es ist wieder alles zum Besten bestellt. In wenigen Schritten bin ich am Strand des weiten Meeres.

Kann den Wellen zuschauen und spazieren gehen. Ich werde zwei Nächte bleiben und faulenzen.




Typischer Biker am kaspischen Meer



Donnerstag, 1. Juni 2017

Vom heißen Sand zum springenden Gebirgsbach

Seit einigen Monaten hatte es Bewegung gegeben. Man rückte enger zusammen und wurde schwerer. Ein Knistern vernahmen alle, manchmal auch ein Klopfen und Tropfen. Alten Sagen wurden lebendig. Getuschel und Geflüster nahmen zu. Die ganz Alten, die zu unterst lagen, sprachen es nach oben. Eines Tages werden wir wieder zu dem werden, was wir einmal waren. Von Woche zu Woche gab es  mehr Bewegung. Jetzt störte mächtiges Krachen die Stille und es fühlte sich an, als bewege sich alles in eine Richtung. Langsam zwar aber unaufhaltsam. Das uralte Eis wurde zu Wasser. Unter dem dicken Panzer floß es jetzt unaufhörlich. Dort wo das betagte Gestein weich war, schliff sich das Wasser seine Bahn. Jedes mitgenommene Körnchen half, die Rinne tiefer zu wetzen. Unaufhörlich rauschte die Tropfen dem gemeinsamen Treffpunkt entgegen. Dort, wo sich alle sammelten, sollte man wieder zu werden, was man einstmals war. Dort im großen Gemeinsamen, gab die Zeit, die Unendliche, den Start für die Veränderung. Der Aufstieg in den Himmel, zu den Wolken, war wie Alles wohl geordnet. Irgendwann kam man wieder dorthin zurück, wo alles seinen Anfang nahm. Hatte man jedoch sehr viel Glück, so kam man an einem Ort zur Erde zurück, der fremd und unbekannt war. Viele Schicksale waren vorhanden. Man wusste nie, welches man bekam.

Die Rinne, die sich unter dem dicken alten Eis ausgewaschen hatte, war indes zu einer beeindruckenden Schlucht an der Chalus- Straße zwischen Karaj und Chalus- geworden. Heute fuhren ca. 1/4 aller Thehraner die Strasse neben dem Fluß entlang. Ein wunderbarer "Alpen-Paß." Sie liegt wunderbar und es macht Freude die vielen Kurven zu fahren, wenn... Es ist nicht zu glauben, da überholt jemand in der Linkskurve rechts, weil da gerade mal genug Platz für ihn ist oder auch links, weil, es geht doch. Schnell überholen erfolgt so wie so immer, wenn die Polizei nicht zu sehen ist. Die steht häufig am Straßenrand und "unterhält" sich mit Verkehrsteilnehmern. Auffällig sind die Abschleppwagen, die sich in regelmäßigen Abständen eine Parkbucht geschaffen haben. Und tatsächlich, sie werden benötigt. Zum Glück fuhren keine "Überseelaster" aber so richtig frisch war die Luft nicht in jeder Kurve.
Grün ist doch meine Farbe. Die Bäume, der sprudelnde Bach und Blumen, weckten meinen Hunger.
Hinter mir sprudelt der Bach und
spendet frische Kühle
 In einer Gaststätte am Flüsschen hielt ich. Trotz Ramadan gab es einen gegrillten Fleischspieß und Reis. Die Bedienungen hatten ihren Spaß mit mir und beim Preis habe sie bestimmt geschummelt. Aber mich hat die Lage gefreut und so habe ich alles erduldet. Es hat geschmeckt und ich war satt. Ein Kaffee war ein guter Abschluss.
In Marzanabad gab es ein Schlafplatz für mich. Also gute Nacht bis morgen. Abendliche Kühle umfängt den müden Fahrer.
Stausee

Gaststätten am Kabel an Pass

Zwischenstopp in der oben beschriebenen
Schlucht, hier durch menschliches Zutun
erweitert